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Der Durchbruch des mobilen Internets oder das „Prinzip App“

In den ersten Jahren dieses Jahrtausends wurde bereits verstärkt von der Vision der mobilen Version des Internets gesprochen. Auf der österreichischen Seite von Horizont habe ich eine Umfrage aus dem Jahr 2002 entdeckt. http://www.horizont.at/newsdetail/news/mobiles-internet-wird-sich-durchsetzen.html

Die Kernaussage: Das „Internet für Unterwegs“ wird kommen! Sehr interessant sind auch die damals genannten Vorrausetzungen für diesen Siegeszug: „neun von zehn Probanden halten eine schnelle Verbindung und ein geringes Verbindungsentgelt als Grundvoraussetzung, als ebenso wichtig wurde eine gute grafische Darstellung angegeben sowie eine entsprechende Größe des Displays“

In den folgenden Jahren wurden die „das mobile Internet wird sich dieses Jahr durchsetzen“ Rufe immer lauter, die Prognose stellte sich jedoch nie wirklich ein – bis jetzt! Endlich kann man sagen: „das mobile Internet ist angekommen“! Allerdings stehen wir insgesamt betrachtet noch sehr am Anfang eines wirklich bedeutenden Booms.

Hier gibt es ein paar interessante Charts als Beleg des Erfolgs von Mobile:
http://www.mobile-zeitgeist.com/2010/09/09/zehn-sehenswerte-infografiken-rund-um-mobile/

Was sind die Gründe für den Erfolg und dafür, dass dieser verhältnismäßig spät eintrifft? Die oben genannten Punkte wie z. B. die Größe des Displays würde ich eher als Grundbedingungen sehen, welche z. T. schon seit ein paar Jahren als erfüllt zu betrachten sind. Aber was sind die Faktoren die im Endeffekt diesen Erfolg wirklich ermöglicht haben?

Kein reiner Übertrag des Internets
Die Grundidee „wir machen jetzt noch einfach eine mobile Version des Internets“ ist aus meiner Sicht der Hauptgrund für den etwas steinigen Pfad, den das mobile Internet hinter sich hat. Denn genau dieser Übertrag ist weder möglich noch zielführend. Die klassischen Portale z. B. sind was Umfang, Inhalt und Funktionalität angeht regelrecht zu „Supertankern“ geworden, welche einfach nicht zu den schnellen Gewässern der mobilen Welt passen. Und so scheiterten die meisten Versuche, einen erfolgreichen Webauftritt auch erfolgreich mobil zu betreiben.

Individualisiertes Nutzungsverhalten
Das Nutzungsverhalten im Internet hat sich grundlegend gewandelt, wir wollen intuitiver, visueller und vor allem individueller durch das Netz geführt werden und sind dabei deutlich anspruchsvoller geworden. Die Zeiten, in denen Betreiber einfach alles auf die Startseite gepackt haben, was sie selbst für wichtig betrachtet haben, sind vorbei. Inzwischen liegt der Fokus viel mehr darauf, wie man dem einzelnen Nutzer in seinem aktuellen Szenario, dem sogenannten Usecase, relevante Inhalte und passende Zugänge bieten kann. Diese Entwicklung im Online-Bereich ist für mich auch einer der Hauptgründe für den (späten) Durchmarsch von Mobile: Waren wir im Internet lange Zeit bereit, uns durch sehr umfangreiche Seiten zu arbeiten, um unsere Inhalte zu finden, so sind wir das im mobilen Internet nie gewesen!

Fokus auf echte mobile Usecases
Die meisten erfolgreichen mobilen Anwendungen haben eines gemeinsam: Sie bieten Inhalt und Funktion passend zu einem realen mobilen Usecase. Dies ist aus meiner Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor. Als Beispiel sind hier Online-Shops zu nennen: Wenn ich ein neues T-Shirt benötige, warum sollte ich dies über mein SmartPhone kaufen, wenn ich es in der Filiale anprobieren kann oder wenn ich es mir im Online-Shop auf einem großen Monitor in mehreren unterschiedlichen Perspektiven, als 360° Ansicht oder sogar als Video anschauen kann? Bin ich jetzt aber in einem Laden und das gewünschte T-Shirt gibt es leider nicht mehr in meiner Größe, ist es eine große Hilfe, wenn ich über das mobile Endgerät das T-Shirt in der richtigen Größe direkt bestellen oder zumindest nachschauen kann, ob es in einem anderen Laden in der Stadt verfügbar ist. Bei der Entwicklung einer mobilen Anwendung oder auch einem mobilen Ableger eines Webauftrittes, sollte der Fokus ganz klar auf den Inhalten und Funktionalitäten basieren, die den mobilen Usecases entsprechen. Auf den Rest sollte hier so weit wie möglich ganz einfach verzichtet werden.

Fokus auf wenig unterschiedliche Funktionalitäten
Womit wir bei einem weiteren Erfolgsfaktor wären, der Konzentration auf eine oder auf sehr wenige Funktionalitäten. Erfolgreiche mobile Anwendungen können oft nicht viel, das aber dafür dann richtig gut! Wo die klassischen Webportale richtige Alleskönner sind, haben wir es z. B. bei Apps eher mit Spezialisten zu tun. Das Prinzip ist ganz einfach: Für jeden Bedarf gibt es die passende Lösung. Daher würde ich Webportale mit einem großen Supermarkt vergleichen, dort bekomme ich alles, was ich brauche, aber ich muss wegen der vielen Produkte, die ich gerade NICHT brauche, etwas länger suchen und etwas mehr laufen. Das mobile Netz funktioniert da eher wie eine Passage mit hunderten kleinen, sehr spezialisierten Läden.

„Mein“ mobiles Internet
Dieses Prinzip, dass es viele hilfreiche Funktionalitäten und Inhalte einzeln gibt, ermöglicht hier erst die große Individualisierung: Jeder stellt sich aus dem großen Pool SEIN eigenes, perfekt passendes mobiles Internet zusammen.

Teil eines großen Ganzen
Der Handel entwickelt sich aus meiner Sicht gerade ganz stark in Richtung einer starken Verzahnung der unterschiedlichen Kanäle und wird damit dem geänderten Kaufverhalten gerecht. Sind die Kanäle adäquat umgesetzt und konsequent verzahnt, ist es komplett dem Nutzer überlassen, welchen er wie nutzt. Beispiel: Über eine App bekommt ein Nutzer bei einem Stadtbummel mitgeteilt, dass eine Filiale seines favorisierten Weinladens in der Nähe ist, dort probiert er einige Weine und bestellt später im entsprechenden Online-Shop einen ganzen Kasten. Solche kanalübergreifenden Nutzungs-Szenarien gibt es in zahlreichen Kombinationen. Die Bedeutung des mobilen Anteils an „dem großen Ganzen“ wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren dabei stetig zunehmen.

Fazit
Alle diese Erfolgsfaktoren finden sich in erfolgreichen Apps: Sie konzentrieren sich auf wenig aber dafür ausgeprägte Funktionalität, basieren auf einem konkreten mobilen Bedarf und bereichern das individuelle mobile Angebot eines Nutzers als einzelner Baustein. Es erstaunt mich also nicht, dass es genau dieses Phänomen war, welches ganz eng mit dem Durchbruch von Mobile zu verbinden ist. Ich möchte damit nicht alles auf die Apps reduzieren, aber ich würde sagen, dass das „Prinzip App“ das Alleinstellungsmerkmal und der übergreifende Erfolgsfaktor des mobilen Internets darstellt.


Veröffentlicht von Florian
in Allgemein, Fachwissen, Online-Trends
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